Kopfschmerzen: Warum wissen noch immer so viele nicht, dass es seit zwanzig Jahren Triptane gibt?

Was hab ich... und was hilft?

Mann mit Händen

Neulich, auf dem Weg zur Kantine:
M: Ich habe solche Kopfschmerzen. Migräne.
Ich: Oh je. Aus der Hölle. Was nimmst Du dagegen?
M: Aspirin. Ibuprofen. Was da ist. Hilft aber auch nicht immer.
Ich: Triptane?
M: Was????
Diesen Dialog habe ich schon ganz erstaunlich oft geführt, teilweise mit Frauen, die seit JAHRZEHNTEN mit Migräne zu tun haben. Ich kann es dann immer nicht fassen, dass sie nichts von dieser Substanzklasse wissen, die es mittlerweile ja auch schon runde 20 Jahre gibt. Ich vermute, das hat damit zu tun, dass Apotheker sie nicht sooooo gern verkaufen. Denn wenn jemand reinkommt und was gegen seine Migräne will, können sie ihrem Gegenüber ja nicht ansehen, ob er oder sie wirklich unter Migräne oder „nur“ unter Kopfschmerzen leidet. Und Triptane wirken ausschließlich bei Migräne. Wer anderweitig bedingt einen Brummschädel hat, für den tun sie nichts, während die gängigen Schmerzmittel bei beiden Ursachen etwas bringen können.

Was sind Triptane?

Darum will ich Triptane hier mal vorstellen. Diese Wirkstoffe ähneln dem körpereigenen Botenstoff Serotonin und docken an bestimmte Serotonin-Rezeptoren an. Dadurch ziehen sie die bei Migräne erweiterte Blutgefäße im Gehirn zusammen, so dass der Schmerz nachlässt. Solche Rezeptoren gibt es aber auch außerhalb des Schädels, und Triptane könnten grundsätzlich auch dort Blutgefäße zusammenziehen – wegen dieser möglichen Nebenwirkung sind sie nichts für Patienten mit koronarer Herzkrankheit und anderen Gefäßkrankheiten, und auch wer Diabetes hat oder viel raucht, sollte besser verzichten. Triptane wirken am besten, wenn man sie gleich nimmt, sobald der Kopfschmerz zu spüren ist (vorher bringen sie nix, wer die Migräne durch Seh-, Riech- oder andere Störungen aufziehen spürt, sollte noch nicht dazu greifen). Sie können aber auch später genommen werden. Und auch für sie gilt: Wer zuviel davon schluckt (empfohlen an maximal zehn Tage im Monat und drei Tagen hintereinander), riskiert einen sogenannten medikamenteninduzierten Kopfschmerz – man kriegt Kopfschmerzen von den Tabletten, die man gegen Kopfschmerzen nimmt.

Es gibt sie auch rezeptfrei

Seit 2006 ist Naratriptan rezeptfrei zu haben (zumindest in Packungen mit zwei Tabletten), Almotriptan folgte. Gut zu wissen ist vielleicht noch, dass nur 30 Prozent der Patienten auf ihr erstes Triptan ansprechen. Wenn Sie dazu gehören, lohnt es sich Experten zufolge, ein weiteres Triptan zu testen. Aber erst, wenn Sie es bei drei Attacken probiert haben und es bei keiner etwas gebracht hat (während derselben Attacke sollte man bei einer Dosis blieben, wenn diese nicht hilft). Die Chance, dass das zweite Triptan dann wirkt, liege Studien zufolge bei etwa 50 Prozent, heißt es. Aber das erklärt Ihnen dann am besten Ihr Arzt, denn langes Suchen nach dem geeigneten Medikament ist nichts für die Selbstmedikation.

Kopfschmerzen oder Migräne?

Sie sind nicht sicher, ob es Migräne ist oder andere Kopfschmerzen sind, die Ihnen immer wieder den Tag versauen? Migräne ist typischerweise mit Licht- und Lärmempfindlichkeit und Übelkeit verbunden, und besonders schlimm, wenn man sich bewegen muss. Bei anderen Kopfschmerzen dagegen tut ein Spaziergang an der frischen Luft gut. Wer sich jetzt nicht eindeutig einsortieren kann, sollte wirklich mal zum Arzt gehen. Das ist ohnehin eine gute Idee – die Menschen neigen dazu, selbst starke oder häufige Kopfschmerzen als Lappalie abzutun. Wer leidet, sollte sich Hilfe holen, eventuell auch in der Migräne- bzw. Kopfschmerzambulanz der nächstgelegenen Universitätsklinik (stern.de hat da mal eine sehr schöne Liste zusammengestellt https://www.stern.de/gesundheit/kopfschmerz/tools-service/hilfreiche-adressen-schmerzkliniken-und-interessenverbaende-3273046.html).

Man sollte sie kennen…

Ich sage hier nicht, dass Triptane immer und allen helfen und überhaupt das Größte sind – es gibt keine Wirkung ohne Nebenwirkung (siehe oben, auf die Gefäße im Körper); ich weiß nicht, wie oft ich das während meines Studiums gehört habe. Aber ich sage: Wer Migräne hat, sollte wissen, dass es sie gibt.

 

Zu Risiken und Nebenwirkungen schauen Sie in mein Impressum ( unter „Disclaimer“) und auf die Seite „Über mich und meine Website“.