Atmen ist das neue Niesen: Aerosole als Virusüberträger

Allgemein

Na klar kannten wir Aerosole, auch schon vor der Pandemie: In den 1980ern bin ich ohne das „Pffft!“ aus meiner Haarsprayflasche nicht ausgekommen, mit dem sich die Haarfestigertröpfchen fein in der Luft verteilten. Ein ähnliches, nur ganz kurzes „Pfft“ macht das Asthmaspray meiner Tochter, denn dabei passiert im Prinzip dasselbe. Auch dass Smog physikalisch betrachtet ein Aerosol ist, hätte ich sagen können: feste oder flüssige sehr kleine  Partikel, in einem Gas verteilt. Und dann kam plötzlich Corona und damit ein völlig neuer Auftritt des Aerosols – als Virenüberträger.

Aerosole oder Tröpfchen: Wir haben es mit einem über 100 Jahre alten Irrtum zu tun

Bis dahin hatte es geheißen, dass Atemwegserkrankungen vor allem durch Tröpfchen sowie durch den direkten Kontakt mit kontaminierten Oberflächen weitergegeben werden. Darauf hatte man sich schon Anfang des 20. Jahrhunderts festgelegt. Also: Jemand niest mich an, oder in seine Hand, die er mir danach gibt – oder mit der er die Türklinke runterdrückt, die ich später benutze. Und dann reibe ich mir die Viren unbemerkt in Nase oder Augen, und schon haben sie auf meinen Schleimhäuten ein neues Zuhause gefunden. 

Aerosole, die wir bei jedem Ausatmen und erst recht beim Sprechen, Rufen, Singen etc. produzieren, wurden nur bei „ungewöhnlichen“ Krankheiten als relevanter Übertragungsweg betrachtet. So war es kürzlich im renommierten Wissenschaftsmagazin „Science“ zu lesen, das sich gleich auf 13 Seiten dem Aerosol widmete. Denn dass das Aerosol keine Rolle spielt, ist ein Irrtum! Und das gilt Science zufolge nicht nur für Corona-, sondern auch etwa für Influenzaviren, die die echte Grippe auslösen, oder für Rhinoviren. Und das sind ganz banale Erkältungskeime.

Tröpfchen sinken aufgrund ihrer Größe schnell und in ein bis zwei Metern Entfernung vom Produzenten zu Boden. Sie können beim besten Willen keine Supersreader-Events erklären. Also Veranstaltungen, bei denen ein Infizierter ganz viele Personen im Raum angesteckt hat. Das können nur die kleineren Aerosole, die stundenlang herumschweben können. Je kleiner, desto länger. Und sie sammeln sich drinnen an, wenn keiner die Fenster aufmacht. Warum unsere Vorfahren das übersahen: Wir atmen Aerosole natürlich vor allem dann ein, wenn wir unserem Gegenüber nahe kommen. Je nach Größe gelangen sie dabei tief in die Lunge.

Um uns vor Aerosolen zu schützen, werden wir auch nach der Pandemie Masken tragen

Ich möchte nach wie vor nicht angeniest werden. Weil es eklig ist. Weil Tröpfchen natürlich nicht vom Tisch sind als Krankheitsüberträger. Und weil bei jedem Hatschi! ebenfalls reichlich Schwebeteilchen entstehen. Trotzdem: Wenn Aerosole auch bei Erkältungen und Co. ein Übertragungsweg sind, wird sich unser Umgang damit verändern. Wir werden weiter Masken tragen, wenn Corona endlich, endlich überstanden ist. Nämlich FFP2- und FFP3-Masken, die Partikel aus der Luft filtern. Zumindest bei Erkältungsangst. Wir werden Türklinken seltener desinfizieren, ebenso Telefone – es hat heute eh jeder ein eigenes. Wir werden mehr lüften und Luft bewegen, um die Teilchenlast zu verteilen, und die Luftfilter, die wir angeschafft haben, werden weiter laufen. Und dann werden wir es im besten Fall mit weniger Atemwegsinfekten zu tun haben als vor der Pandemie.

Zu Risiken und Nebenwirkungen schauen Sie in mein Impressum ( unter „Disclaimer“) und auf die Seite „Über mich und meine Website“.BildBild

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IlluKreis-2-e1525195583923.jpg