Verstopfung: Nicht können auf dem Klo

Allgemein Was hab ich... und was hilft?

Die Verdauung ist nicht gerade das Thema, über das man gern in der Apotheke plaudert, während der nächste Kunde schon hinter einem wartet. Darum sage ich hier jetzt mal, was bei Verstopfung aus meiner Sicht wichtig ist. Es sind im wesentlichen fünf Punkte:

 

  1. Wie oft ist bei jedem anders

Manche Menschen führen zweimal täglich ab, andere nicht mal jeden zweiten Tag. Dreimal die Woche gilt auch noch als im Rahmen.

  1. Es geht nicht nur um das „Wie oft?“

Heute zählt beim Thema Verstopfung aber nicht mehr nur die Frequenz, also ob man seltener als dreimal pro Woche seinen Darm entleert. Es kommt auch auf den Prozess des Abführens an. Tut es weh, weil der Stuhl hart ist oder muss man sehr viel Druck machen, gilt das selbst bei täglichen Toilettengängen als Obstipation. Auch das Gefühl, dass der Darm nicht richtig leer geworden ist oder dass da was blockiert ist, ist ein Kriterium für die Diagnose.

  1. Pflanzliche Abführmittel gehören zu den starken Mitteln

Pflanzenmedizin ist nicht immer gleich sanfte Medizin – Abführmittel sind da ein gutes Beispiel. Dabei spreche ich jetzt aber nicht von den ballaststoffreichen Heilpflanzen-Samen wie Leinsamen oder indische Flohsamen, die  – immer in Verbindung mit ausreichend Wasser, siehe unten – im Darm quellen und dadurch die Verdauung unterstützen. Die sind wirklich eine sanfte Hilfe. Ich meine die sogenannten Anthrachinone, wie sie etwa in Aloe, Faulbaum oder Sennesfrüchten vorkommen. Sie greifen ganz gezielt und höchst effektiv in das Geschehen im Darm ein und wirken vom Prinzip her genau wie die chemischen Mittel (etwa Bisacodyl oder Natriumpicosulfat), sind aber schlechter zu dosieren. Insofern kommt ein Abführtee oder ein Früchtewürfel mit diesen Arzneipflanzen darin „sanfter“ daher, als er ist. Denn wir wissen ja alle: Abführmittel nicht auf Dauer und auch nicht jeden Tag einsetzen! (Alles weitere dazu in einem weiteren Post – es gibt einfach zu viel zu sagen.)

  1. Man kann ganz viel ohne Medikamente tun

Das wichtigste ist wohl, sich auf den Darm einzulassen, wenn er sich meldet. Also aufs Klo zu gehen, wenn man muss, auch dann, wenn man schon die Jacke an hat und los will, egal wohin. Vielleicht ist Ihr Darm einfach ein Sensibelchen, mit dem man sich gut stellen muss. Dazu gehört, ihn mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. Manche schwören, dass ein großes Glas warmes Wasser am Morgen ihren Darm aufweckt, aber vollkommen unabhängig von Tageszeit und Temperatur gilt: Wer zu wenig trinkt, hat zwangsläufig einen härteren Stuhl als bei guter Flüssigkeitsversorgung und macht sich das Verdauen schwer. Denn nur mit ausreichend Wasser können die pflanzlichen Fasern bzw. Ballaststoffe, die Sie über den Tag hinweg essen, auch quellen und damit das Stuhlvolumen vergrößern. Getrocknete Früchte (Backpflaumen! Feigen!) gehören übrigens zu den Lebensmitteln mit den meisten Ballaststoffen.

Schon klar, dass auch Bewegung wichtig ist. Der Darm muss sich beim Verdauen bewegen, und das fällt ihm sehr schwer, wenn Sie immer nur am Schreibtischstuhl kleben oder auf der Couch abhängen. Und sonst so? Ich würde jedem, der sich mit Verstopfung herumschlägt, raten, mal kurz zu überlegen, welche Medikamente er oder sie nimmt. Starke Schmerzmittel, Protonenpumpenhemmer (Magenmittel) oder Betablocker (u.a. gegen Bluthochdruck) zum Beispiel können den Darm regelrecht lahmlegen. Und oft genug ist es ohne weiteres möglich, auf ein anderes Präparat auszuweichen.

  1. Und dann gibt es noch dieses Hausmittel

Milchzucker (Laktose) bindet Wasser und zieht es aus dem Körper in den Darm. Dadurch erweicht der Stuhl nicht nur, er nimmt auch mehr Volumen ein. Außerdem entstehen Gase, die ebenfalls an die Darmwand drücken und den Reiz zur Ausscheidung noch verstärken. Das ist sehr unangenehm für alle mit Laktoseintoleranz. Denn sie stellen nicht ausreichend von dem Enzym Laktase her, um selbst geringe Mengen Milchzucker frühzeitig in seine (wirkungslosen) Einzelteile zu Galaktose und Glukose zu zerlegen. Und es ist sehr praktisch für diejenigen, die gezielt mehr Laktose zu sich nehmen, als die Laktase auf Anhieb schaffen kann, weil sie unter Verstopfung leiden. Bis zu vier Esslöffel Milchzucker am Tag sind für Erwachsene empfohlen, aber man startet besser mit nur einem.

 

Zu Risiken und Nebenwirkungen schauen Sie in mein Impressum ( unter „Disclaimer“) und auf die Seite „Über mich und meine Website“.

Das könnte Sie auch interessieren