Erkältungsangst: Hilfe, mein Hals kratzt!

Allgemein Was hab ich... und was hilft?

Dieses miese Gefühl. Es kratzt im Hals. Und man weiß ganz genau: Da ist was im Anmarsch. Fast noch mieser, als wenn man sich dann mit den eigentlichen Erkältungssymptomen Schnupfen, Husten usw. herumschlägt. Was kann man jetzt noch tun, um das Ruder rumzureißen? Was, um das Halskratzen zu lindern? Drei Strategien, auf die ich setze. Und zwei, die ich eher durchwinken würde.

Tee trinken

Und zwar am besten Salbeitee. Aber auch schwarzer Tee enthält Gerbstoffe, um die es mir hier geht. Solche Stoffe ziehen die oberste Schicht der entzündeten Schleimhaut ganz leicht zusammen und stärken so deren Widerstandskraft. Eine super Sache, denn jedes Räuspern und Husten strapaziert das Gewebe aufs Neue, so dass die darin liegenden Nervenfasern mehr oder weniger frei liegen, was sie noch empfindlicher macht usw. Außerdem ist die gegerbte Oberfläche weniger einladend für weitere Erreger.

 

Bonbons lutschen

Natürlich funktioniert Salbei auch als Bonbon, und besonders schätze ich die Dragées. Aber auch jedes andere, vollkommen wirkstofffreie Bonbon macht den Speichel etwas dickflüssiger. Egal ob zuckerhaltig oder zuckerfrei. Ganz einfach, indem es sich beim Lutschen auflöst. Das heißt, die Spucke haftet besser an der gereizten Rachenschleimhaut und schirmt so die Nervenfasern im entzündeten Bereich ab, was das Halskratzen sofort lindert. Nach zehn bis 30 Minuten ist dazu allerdings das nächste Bonbon nötig. Alternative: Kaugummis. Sie erhöhen den Speichelfluss, so dass mehr Flüssigkeit zum abschirmen da ist.

Mineralsalzpastillen sind auch gut und zusätzlich leicht entzündungshemmend. Schleimstoffe wie Hyaluronsäure (zB. in GeloRevoice) bedecken die Schleimhaut spürbar und effektiv. Weil sie sich aber auch schleimig im Mund anfühlen, sind sie nicht jedermanns Sache. Und auch sogenannte Saponine, wie sie beispielsweise in der Primelwurzel stecken, sorgen für einen gewissen Schutz, indem sie sich auf die Schleimhaut legen (z.B. in Ipalat Halspastillen).

 

Schmerzen stillen

Wenn es ganz schlimm ist und ich richtig dolle Halsschmerzen habe, nehme ich eine Lutschtablette mit einem Lokalanästhetikum wie Lidocain, Benzocain oder auch Ambroxol. Letztere Substanz war lange nur als Hustenlöser im Einsatz, doch es hat sich gezeigt, dass auch sie die Aktivität der sensorischen Nerven herabsetzt, so dass man den Schmerz weniger stark spürt. Vorteil bei den Lokalanästhetika: Nicht nur der Schmerz, auch ein möglicher Hustenreiz lässt nach. Nachteil: Im Mund fühlt es sich taub an. Sanfte Alternative ist ein Pfefferminzbonbon: Auch Menthol wirkt lokal anästhetisch (schmerzstillend). Und vor kurzem habe ich einen Halsschmerz-Spray probiert mit Glycerol. Das ist ein stark wasserziehender Wirkstoff. Wenn man ihn auf die entzündete, geschwollene Rachenschleimhaut sprüht, zieht er Flüssigkeit aus ihr heraus und sorgt so für eine gewisse Linderung. Ähnlich funktionieren Sprays mit hochkonzentrierter („hypertoner“) Kochsalzlösung, die rein physikalisch bedingt den Drang hat, sich zu verdünnen – und dazu gern auf die Flüssigkeit aus der Schwellung zurückgreift. Fand ich auch eine gute Idee.

Es spricht aber auch einiges dafür, einfach eine Ibuprofen zu nehmen, wenn man Halsschmerzen hat, wie es die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)  empfiehlt. Das ist zwar subjektiv eine Übertherapie – warum sollte man etwas schlucken, wenn man es auch lokal behandeln kann? Aber die Datenlage für die Lokalanästhetika und Co. ist im Vergleich zu der von Schmerzmitteln bescheiden. Und Ibuprofen hat zusätzlich zur schmerzstillenden Wirkung eine entzündungshemmende Komponente, was bei Halsweh – für gewöhnlich durch Entzündungen bedingt – natürlich absolut willkommen ist.

 

Für mich zweifelhafte Strategien:

Manche Halsschmerztabletten enthalten noch immer lokal wirksame Antibiotika wie Tyrothricin. Dass diese Wirkstoffe etwas bringen, ist unwahrscheinlich. Denn rund 90 Prozent der Halsschmerzen sind viral bedingt, und gegen Viren können Antibiotika absolut gar nichts ausrichten. Und wenn schon ein Antibiotikum, dann bitte ganz gezielt und nicht einfach so aus der Gießkanne und auf Verdacht. Schließlich haben wir weltweit ein Riesenproblem mit Antibiotikaresistenzen.

Auch die sogenannten Antiseptika, sozusagen Desinfektionsmittel, die in Halstabletten und Gurgellösungen stecken, erscheinen mir als ein Konzept aus dem letzten Jahrhundert. Wirkstoffe wie Dichlorbenzylalkohol oder Chlorhexidin sollen den Erregern im Rachen möglichst frühzeitig zusetzen, damit diese sich nicht vermehren können. Aber auch Antisepetika wirken kaum gegen Viren. Und was Bakterien angeht, schaden sie nicht nur den Krankheitserregern, sondern auch den guten Mundbakterien – nämlich jenen, die unsere Mundhöhle vor Eindringlingen schützen und wichtig für unsere Abwehr sind.

 

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